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Online-Gottesdienst aus der Christuskirche Riedenburg

zum Sonntag, 30. August 2020.

Zum Gottesdienst aus Riedenburg:
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Christuskirche

Wieder Gottesdienste in der Christuskirche.

Gute Nachrichten für die evangelische Kirchengemeinde: seit dem 10. Mai finden in der Christuskirche wieder Gottesdienste statt.
Termine und Vorschriften dazu auf der Seite "Gottesdienste"
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Predigt von Pfarrer Christian Bernath am 19. Juli 2020.

Gottesdienst in der Christuskirche.

Liebe Freunde in Christo!

ich weiß nicht, liebe Gemeinde, ob es bei Ihnen auch so ist wie bei mir: Betrete ich den Kirchenraum, springt mir der wunderschöne Taufstein ins Auge. Ich gebe es offen zu: Nicht der Altar. Auch nicht die ausdrucksstarke und so gefühlvolle Kreuzigungsdarstellung über den Altar. Sie ist mir lieb und teuer. Aber mein Blick richtet sich beim Betreten des Kirchenraumes sofort auf den Taufstein. Der zieht mich an und die Osterkerze – jeder Sonntag ist ein kleines Ostern – gehört natürlich unbedingt dazu! Taufstein und Osterkerze. Etwas fehlt, überlege ich mir schon länger. Die Wand hinter dem Taufstein ist weiß. Das ist an sich nicht verkehrt. Aber es fehlt etwas. Beim Gassi-gehen mit unserer Hündin, kam mir in dieser Woche die Idee: Ein Schal muss her! Nicht irgendein Schal. Ein Taufschal. Gebatikt. Aus feiner Baumwolle oder Leinen. Wie auch immer. Ein Taufschal. Ein paar Meter lang. Der könnte an der Wand hinter dem Taufstein hängen. Und darauf sollen die Worte stehen: „Du bist mein geliebtes Kind!“. Das wäre doch was. Ein Blickfang. Ein Projekt mit Konfirmanden. Und was für eine Aussage direkt beim Taufstein: „Du bist mein geliebtes Kind!“ Worte aus einer Liebesgeschichte seit Anbeginn der Zeit.

Du bist mein geliebtes Kind.

So wie: Fürchte dich nicht. (Gen 15.1) Entsetze dich nicht! Der HERR, dein Gott, ist mit dir (Jos 1,9b) Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein! (Jes 43,1,1b) Du bist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe (Mk 1,11) Ich habe euch erwählt und gesetzt, dass ihr hingeht und Frucht bringt (Joh). Worte von Gott an seine Menschen. Vielfach zugesagt. Immer wieder anders. Ein Liebender wendet sich an seine Geliebten. Er schafft sie nach seinem Bild. Er streift mit ihnen, als sie in Nomadenfamilien leben. Er geht mit einem Volk von Sklaven durch Wüstenzeiten in die Freiheit. Und lässt ihnen durch Mose sagen: Dtn. 7,6-12

Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind. Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –, sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat er euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten. So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten, und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen. So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust. Und wenn ihr diese Rechte hört und sie haltet und danach tut, so wird der HERR, dein Gott, auch halten den Bund und die Barmherzigkeit, wie er deinen Vätern geschworen hat.

Geliebtes Kind. Heiliges Volk. Von Gott erwählt. Mit Regeln und Richtschnur für das Leben. Das sind große Worte, die es in sich haben. Von Gott erwählt. Da schlucke ich. Von Gott erwählt. Das kann Druck machen. Wenn damit unterschieden wird zwischen wertvollen und weniger wertvollen, gläubigen und weniger gläubigen Menschen. Ungnädig gehen Menschen in so manchen Gemeinden miteinander ins Gericht, weil sie glauben, den Willen Gottes und die Worte der Bibel besser zu verstehen und frommer zu sein als andere. Ich könnte in einer solchen Gemeinde nicht leben. Pietistische Vollblutgemeinden, Evangelikale Gemeinschaften in den USA, das wäre für mich schlimm. Wer entscheidet denn, ob ich vor Gott gut genug bin? In manchen Regionen Norddeutschlands und Bayerns, etwa in Oberfranken, geht man immer noch zögerlich zum Abendmahl. Die Angst, „unwürdig“ zu sein für das Heilige, das in unserem Leben Raum gewinnen will, ist ausgeprägt. Reicht es, was ich mitbringe? Bin ich würdig und recht? Von Gott erwählt. Ich auch?

Von Gott erwählt.

Dieser Satz hat es in sich. Er kann missverstanden, ja, missbraucht werden. Wenn eine Religion sich damit über eine andere erhebt, der Überzeugung ist, die “wahre Religion“ zu sein. Von Gott erwählt. In Istanbul ist das Kreuz schon lange von der Kuppel der Hagia Sophia durch einen Halbmond ersetzt worden. Und vier Riesen-Minarette, flankiert an den Ecken der einst größten christlichen Kirche des Abendlandes, machen deutlich: Das ist ein muslimisches Gotteshaus. So war es in Osmanischer Zeit. Mit Atatürk, den Begründer eines modernen türkischen Staates, wurde die Hagia Sophia zu einem Museum, offen für Menschen unterschiedlichster Religionen. Nun ist die Hagia Sophia mit der Regierung Erdogans wieder eine Moschee und es bleibt abzuwarten, wie sich alles entwickelt. Von Gott erwählt. Kriege hat dieser sooft missverstandene Satz ausgelöst, er wurde benutzt, um Religionskriege zu legitimieren. Kreuzritter wüteten im Morgenland im Zeichen des Kreuzes. Osmanen im Abendland im Zeichen des Halbmondes. Von Gott erwählt. Der Satz war Motor für falsch verstandene Mission. Und er ist mitverantwortlich für die Angst, die unsere Gegenwart prägt.

Von Gott erwählt. Das kann lebensgefährlich werden.

Wenn Macht nur menschlich ist und in einem Land keine Gebote mehr gelten. Wenn Regierende zu Autokraten und Diktatoren mutieren. Wenn sie Gesetzgeber und Richter gleichzeitig sind, totalitär-ideologisch und gottlos regieren. Dann kann es das Leben kosten, sich in einem solchen Land zu Gott zu bekennen. Wir haben das in Deutschland von 1933 bis 45 erlebt. Geliebtes Kind. Heiliges Volk. Von Gott erwählt. Das sind große Worte, die die Schriftsteller des Deuteronomiums, des „zweiten Gesetzes“, denen sich in der Fremde und unter dem Druck anderer Völker befindenden Israeliten mitteilen. Und nicht nur ihnen:

Geliebtes Kind. Heiliges Volk. Von Gott erwählt – diese Worte ziehen sich durch die ganze Bibel, immer wieder anders formuliert. Missverstanden und missbraucht wie so viele Liebesworte. Erwählung durch einen Gott kann eigentlich nicht mehr ausgesprochen werden in einer globalisierten Welt, in der Toleranz einer der letzten Anker für den Frieden ist. Und doch: Trotz aller Missverständnisse ist der Gedanke der Erwählung für den Glauben des Volkes Israel und für den christlichen Glauben bis heute nicht aufgebbar! Tolerant kann nur sein, wer auf dem sicheren Boden einer eigenen Überzeugung steht und damit in sich ruht. Wer fröhlich und entspannt seine Religion lebt, anderen nichts beweisen muss, nicht exklusiv denkt, sich über andere erhebt. Heute, in diesem Gottesdienst, rückt die Erwählung des Volkes Israel und unsere Taufe ganz nah nebeneinander. Der Wochenspruch, die Lesungen und der Predigttext legen sie in eine Spur. Wenn wir getauft werden und taufen, wenn wir Sonntag für Sonntag die „Gemeinschaft der Heiligen“ bekennen, begeben wir uns in die Liebesgeschichte Gottes von Anbeginn der Zeit.

Geliebtes Kind. Heiliges Volk. Wir auch? Heute Morgen? Hier? Wir? Vielleicht noch müde abgelenkt, zögernd, sorgenbeladen, aufgabenüberlastet, wir 30 und nicht 200? Wir auch? Warum nicht?? Es war eine zusammen gewürfelte Menschenschaar aus geflohenen Sklaven, orientierungslos, geschwächt und nicht besonders willensstark, die Gott zu seinem „heiligen Volk“ gemacht hat. Im vorderen Orient habe es damals weitaus beeindruckendere Völker, mächtiger und kulturell hoch entwickelt, ambitioniert. Die hätte doch Gott erwählen können! Wenn er denen seine Gebote gegeben hätte und sie zu seinem Volk gemacht hätte das wäre verständlich gewesen! Aber er wählte die kleine, wandernde Gruppe ohne König und ohne Land, ohne Regierungssitz, Beamte und Heer und nannte sie „Heiliges Volk“. Er wählte Propheten, die wie etwa Jeremia, ängstlich und zögernd waren und gar nicht Propheten sein wollten. Wählte Menschen, die sich vor ihrer Aufgabe fürchteten die ihnen zugemutet wurde.

Geliebte Kinder. Heiliges Volk. Ein Schal an der Wand beim Taufstein soll es uns vor Augen führen. Soll allen Menschen, die dieses Gotteshaus betreten, vor Augen führen: Du bist mein geliebtes Kind:

Du bist mein geliebtes Kind: Dieser Satz soll auch den Eltern, die ihre Konfirmanden in die Gottesdienste begleiten und den Geschwistern und Großeltern, die vielleicht auch mitkommen, ermutigend vor Augen geführt werden. Und ebenso den Middle-Age Besucherinnen und Besuchern - wie der Dame mit ihrem gepflegten Äußeren und dem wachen Geist, vor 92 Jahren getauft. Du bist mein geliebtes Kind: Dieser Satz gilt dem pensionieren Schulleiter, dem Bundeswehroffizier, den Gottesdienst Besucherinnen und Besuchern vom Campingplatz oder Ferienhäuern. Du bist mein Geliebtes Kind. Und Sie auch! Und Du. Und ich. Geliebte Kinder. Heiliges Volk. Wir auch. Fröhlich können wir sein und lebensgewiss. Denn Gott sieht uns an.

Und sein Friede, der weiter reicht, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Ihr Pfarrer Christian Bernath.

22.7.2020

Pfingstgottesdienst
Pfarer Christian Bernath und Thomas Übelacker auf der Seebühne, am Kanal fährt ein Hotelschiff.
22.7.2020


Bedford-Strohm
22.7.2020