Gefrorene Gracht bei Mondschein

Kirche in klirrender Kälte.

Aert van der Neer: „Gefrorene Gracht bei Mondschein"

Jetzt im November und im Advent kommt schon mal die Sehnsucht nach klirrender Kälte, roter Nase und klammen Fingern, die sich an Glühweingläser klammern.
Für Aert van der Neer (geboren 1603 oder 1604, gestorben 1677) war die dunkle Jahreszeit mit Eis und Schnee geradezu künstlerische Bestimmung. Er lebte in einer kulturellen Blütezeit der Niederlande, die barocke Landschaftsmaler hervorbrachte wie der Winter Eisblumen. Zu Lebzeiten blieb ihm die künstlerische Anerkennung leider versagt. Der (mindestens) sechsfache Vater starb völlig verarmt als verkanntes Genie.
Inzwischen hängen seine Bilder von Sankt Petersburg bis London in Museen. Doch faszinieren.heutige Betrachter nicht allein die virtuose nächtliche Lichtführung und die Textur des klirrenden Eises, es sind auch die historischen Gerätschaften des Wintervergnügens: Schlittschuhe, Schlitten, Schläger.
Im Hintergrund wie eine wachsame Mutter die Kirche: In diesem goldenen Zeitalter der Niederlande war sie tolerant und offen.
Ein Bild mit Gänsehautgarantie - so oder so.




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Bedford-Strohm

9. November 2020: Videobotschaft des EKD-Ratsvorsitzenden

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“

Diese Worte aus dem 31. Psalm spreche ich hier vor dem Kirchenamt der EKD in Hannover. Von hier aus halten wir gerade die erste digitale Synode in der Geschichte der EKD.
Ich glaube, es geht uns allen so, dass wir die physische Gemeinschaft vermissen, die gemeinsame Kaffeepause, die Gespräche am Rande, das Zusammensitzen am späten Abend. Aber: Wir sind zusammen. Wir können miteinander reden. Wir können uns auch digital sehen. Wir diskutieren über die Zukunft der Kirche. Und wir tun das auf eine Art und Weise, die sich niemand ausgesucht hat, die wir aber nicht nur beklagen, sondern als Möglichkeit begreifen wollen. Vor drei Jahren haben wir einen Zukunftsprozess auf den Weg gebracht, bei dem auch das Thema Digitalisierung eine zentrale Rolle spielte. Wer hätte damals gedacht, dass dieser Zukunftsprozess in eine Synode münden würde, bei der wir gleich nur noch digital tagen können würden. Gut, dass wenigstens das möglich ist.

„Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Was das für unser persönliches Leben bedeutet, kann ganz unterschiedlich sein. Und es kann schwer sein. Manchmal muss Gott uns dafür über massive Hindernisse hinweghelfen. Das ist meine Hoffnung für uns alle: dass Gott uns durch diese Zeit der Pandemie hindurch hilft. Wir dann die Erfahrung machen, dass der Raum danach nicht enger, sondern weiter geworden ist.

Geht gesegnet und behütet in diesen Tag.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)
Der EKD-Ratsvorsitzende ermuntert und bestärkt mit seinen Videobotschaften auf www.facebook.com/landesbischof/ und www.youtube.com/user/bayernevangelisch/videos die Menschen: „Jesus hat geheilt und deswegen sind die Menschen, die jetzt heilen, die Menschen, die jetzt Nähe ausstrahlen, Liebe ausstrahlen, auf andere achten, so etwas wie die Hände Gottes für mich in diesen Tagen."


Christian Bernath

Predigt von Pfarrer Christian Bernath am 15. November 2020 - Volkstrauertag.

Gottesdienst in der Christuskirche.

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes sei mit Euch allen!

Liebe Gemeinde in Christus Jesus,

Und dann, dann stehst du vor Gott, dem Vater, der alles erschaffen hat, vor dem stehst du dann, und der fragt dir ins Gesicht: Wilhelm Voigt, was hast du gemacht mit deinem Leben? Und da muss ich sagen – Fußmatte, muss ich sagen, die hab ich geflochten im Gefängnis. Und dann sind sie alle darauf herumgetrampelt, muss ich sagen. Und zum Schluss hast du geröchelt und gewürgt um das bisschen Luft, und dann war es aus. Das sagst du vor Gott, Mensch. Aber der sagt zu dir: „Geh weg, sagt er! Ausweisung! sagt er. Dafür hab ich dir nicht das Leben geschenkt, sagt er und fragt: Was hat du mit deinem Leben gemacht?

Mich berührt diese Szene aus dem „Hauptmann von Köpenick“ von Carl Zuckermayer. So schlicht und zugleich eindrücklich wie hier der Schuster und Betrüger Wilhelm Voigt im Gefängnis erkennt, worauf es ankommt am Ende: „Was hast du gemacht mit deinem Leben?“ Niemand wird sich dieser Frage entziehen können. Irgendwann holt sie jeden ein. Im irdischen Leben. Und vor Gott. Alle, ob im gesellschaftlichen und politischen Establishment oder einfacher Bürger, alle, ob, reich, oder arm werden Rechenschaft über ihr Leben abgeben müssen. Die Frage trifft auch die scheinbar Unantastbaren: Auch sie werden gefragt: Was hast du gemacht mit deinem Leben?

Was sagst du dazu, Mr. Präsident? Hörst du schon diese Frage? Bist Milliardär. Betest mit Evangelikalen. Und hast dein Land an den Rand des Abgrunds und das weltpolitische Gefüge aus dem Lot gebracht. Schäme dich, Mr. Präsident: Hast mit Menschen und Staaten gespielt. Jetzt bist du nicht mehr Präsident. Flüchtest auf den Golfplatz. Bist in deiner Eitelkeit gekränkt. Und musst dich verantworten. Über 30 Gerichtsverfahren stehen vor der Tür. In deinem irdischen Leben. Was hast du nur gemacht mit deinem Leben? Mr. Präsident.

Ja: Was hast du gemacht, was machst du im Leben? Manchmal frage ich mich das auch. Und Sie? Geht es Ihnen manchmal auch so? Dass Sie bilanzieren. Dass Ihnen in guten Momenten schöne Erinnerungen vor Augen treten und wie aus heiterem Himmel unangenehme Wahrheiten als Ankläger erscheinen? Wie gut, dass wir ein Gewissen haben. Es scheint, manche Menschen haben keines. Aber auch Sie werden sich mit der Frage auseinandersetzen müssen: Was hast du gemacht mit deinem Leben?

Wir alle leben in Verantwortung vor unseren Mitmenschen – und Gott. Auch der größte Schurke, der skrupellosteste Mensch, das größte Schwein wird sich vor Gott verantworten müssen. Wie es am Ende sein wird, wissen wir nicht. Manche sagen: Papperlapapp. Am Ende: Da ist nichts mehr. Tod. Aus und vorbei. Das glaube ich nicht. Ich glaube: Da kommt noch was nach dem Tod. Die Bibel führt uns Bilder vor Augen. Auferstehungsbilder. Und eines, das wir so gerne wegwischen: Das Bild vom Gericht Gottes. Das Bild vom „Buch des Lebens“. Das Bild Vom Jüngsten Tag. Das Bild vom Richterstuhl Gottes. So verschieden und eindringlich diese Bilder auch sind, sie sagen alle das Eine: Wir werden uns verantworten müssen für unser Leben. Für das, was wir gemacht und nicht gemacht haben in unserem Leben.

Ich versuche mir auszumalen, was es heißt, wenn ich mich verantworten muss. Wie werde ich dastehen? Ja: Da gibt es helle, freundliche Seiten in meinem Leben. In dieser und jener Situation habe ich anderen Freude bereitet. Und selber Freude erlebt. Ich habe mich für jemanden eingesetzt. Für eine Sache gekämpft. Aber war ich im Ganzen gesehen nicht doch zu gleichgültig, zu bequem, zu ängstlich? Und dann tauchen Sie auf, die schwachen Punkte in meinem Leben, die sich einzugestehen unangenehm sind, die beschämen. Mit Scham dazustehen und diese als Bilanz seines Lebens zu sehen, das könnte die Hölle sein. Scham kann schlimmer sein als Schuld. Schuld kann durch Vergebung versöhnt werden. Für meine Schuld kann ich einstehen. Muss ich Rechenschaft abgeben. Die Konsequenzen tragen. Aber mit Scham dazustehen, das ist schlimmer als Schuld. Was geschieht mit der Scham, wenn sich nichts mehr ändern lässt? Himmel und Hölle das können Bilder sein für den Ernst der Frage: „Was hast du gemacht in und aus deinem Leben?“ Ein Bild ist auch das, was Jesus uns nach den Worten des Matthäusevangeliums vom Endgericht malt. Ein grandioses Bild, in dem alle Völker vor dem himmlischen Christus erscheinen. Hören wir noch einmal – ins Auszügen – die Worte aus dem Matthäusevangelium:

„Wenn aber der Menschensohn kommen wird in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm, dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit, und alle Völker werden vor ihm versammelt werden.
Und er wird sie voneinander scheiden, wie ein Hirte die Schafe von den Böcken scheidet, und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen und die Böcke zu seiner Linken. Und wird sagen zu denen zu seiner Rechten: Kommt her, ihr gesegneten meines Vaters und ererbt das Reich, das euch bereitet ist. Denn was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Zu denen zur Linken aber wird er sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, ich bin durstig gewesen, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben, ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt mich nicht aufgenommen, ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich nicht gekleidet, ich bin krank und im Gefängnis gewesen, und ihr habt mich nicht besucht…“

Was für ein Szenario! Es stellt vor gewaltiger Kulisse mit großer Ernsthaftigkeit die Frage: „Was hast du getan in deinem Leben?“ Ewige Strafe und ewiges Leben: Für mich sind das Szenarien, Zukunftsbilder, wie ich dastehen werde: ob mein Leben zur Freude des Reiches Gottes passt oder ob ich versinke vor Scham. Was habe ich gemacht mit meinem Leben?

Übernehme ich Verantwortung? Denke und handle ich verantwortungsvoll? Bin ich mit meinem Gewissen im Reinen? Jeden Tag kommt es darauf an, was ich aus meinem Leben mache. Hier und heute entscheidet sich, wie ich dastehen werde. Und es ist nicht damit gemeint „nichts Falsches oder gar Böses“ zu tun.

„Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“ – wenn ich schon diesen Satz höre, da läuten bei mir die Alarmglocken. „Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“ – das könnten auch die zur Linken sagen. Aber sie haben eben auch das Gute nicht getan. Sie haben sich nicht für ihre Mitmenschen eingesetzt. Sie haben die Hungrigen und Durstigen nicht versorgt, sie haben über ihre Not hinweggesehen. Sie habe die Kranken und Gefangenen nicht besucht, sie haben sich um die Fremden und Armen nicht gekümmert. „Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen“ – ja schon, aber: Was hast du nicht getan in deinem Leben? Wo warst du zu ängstlich, zu angepasst? „Nur nicht auffallen“…, immer schön im Strom mitschwimmen, dann steht man gut da, zumindest passiert mir nichts…

Christen verhalten sich anders. Sie sind aufmerksame Menschen. Mutig. Unangepasst. Was hast du gemacht in und mit deinem Leben? Hast du auch einmal für jemanden oder etwas gekämpft? Gegen Widerstände? Hast du Zivilcourage gezeigt? Bist du für eine Überzeugung eingestanden? Oder hast du dich weggeduckt, wenn es schwierig wurde?

Der jüdische Schriftsteller Ödön von Horvath hat 1929, in weiser Vorausschau auf die Katastrophe des Nationalsozialismus ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, einen messerscharfen Roman geschrieben. Er trägt den Titel: „Der ewige Spießer“. Er schreibt als gläubiger Jude: „Der asphaltdeutsche Bürger dreht sich nach dem Wind. Duckt sich weg. Verschwindet in der Masse. Nun: Wilhelm Voigt in Carl Zuckermayers Roman hat wenigstens was gewagt. Er hat betrogen. Sich als etwa ausgegeben, das er nicht wahr. Und Kasse gemacht. Aber das flog auf. Und nun sitzt er im Gefängnis, völlig zurecht und fürchtet, außer seinen Betrügereien und Fußmatten nichts gemacht zu haben mit seinem Leben.

Der Maßstab für ein gelungenes Leben ist: Leben ich verantwortlich - Mit mir und den Menschen um mich herum? Ja, es geht mich etwas an, was in meinem Umfeld, in der Gesellschaft, in meinem Land, in der Welt geschieht. Es geht mich etwas an, ob jemand an den Rand gedrückt und ausgegrenzt wird. Was bitte ist das? Da wird ein Haus mit Asylanten an unserem Ort eingezäunt und bewacht, weil dort ein Corona Fall eingetreten ist. Ich wüsste nicht, wo sonst Häuser und Einrichtungen wie Gefängnisse eingezäunt und bewacht werden, um die Quarantäne zu sichern. Für mich wirkt die vorgenommene Einzäunung und Überwachung des Asylantenhauses rassistisch. Werden Menschen wieder nach Klassen eingeteilt?

Schauen wir hin, was um uns herum geschieht! Mischen wir uns ein! Es kommt mir vor, als würde in unserer Gesellschaft die Geisteshaltung des Biedermeiers im 19. Jahrhundert wieder aufleben. Der Rückzug auf das Eigene. Mein Haus, meine Wohnung, meine Familie. Hauptsache, bei mir, bei uns stimmt`s. Sich für eine Sache, für andere einsetzen, dafür vielleicht einen Konflikt eingehen – nein, lieber nicht. Keine Zeit. Keine Kraft. Und: Nur nicht auffallen… Leben in Verantwortung, das heißt: auf das Leben antworten. Das gilt nicht nur für den persönlichen Bereich. Nicht zufällig malt Jesus ein Bild, in die Völker auf den Plan treten. Es geht also um die Verantwortung, die wir als Gesellschaft, als Volk haben.

Da kommt der heutige Sonntag besonders in den Blick: Volkstrauertag. Friedenssonntag. Ein Tag der Erinnerung an Krieg und Gewaltherrschaft. An ideologischer Verführung und Menschenverachtung. Gut, dass dieses dunkle Kapitel unserer Geschichte nicht zu gedeckelt wird. Gut, dass junge Menschen ihre Verantwortung für die politische Entwicklung in unserer Gesellschaft sehen. Heute und morgen so leben, dass ich es verantworten kann: Als Einzelperson. Als Gesellschaft. Darauf kommt es an. Unsere Gesellschaft ist so human, wie sie mit den Schwächsten ihrer Mitglieder umgeht. Jesus selbst ist gegenwärtig in den Bedrängten und Leidenden Menschen – zu allen Zeiten und an allen Orten der Erde. In den Kranken, Geschundenen, in den Opfern dieser Welt liegt die Verheißung: Sie sind Brüder und Schwestern Jesu. Das macht ihre Würde aus.

Was mache ich aus meinem Leben? Jesus sagt uns, wo unsere Suche nach Lebenssinn ihr Ziel findet: In der Hinwendung zu den Schwachen können wir ihn finden und getrost dem Ende entgegenblicken. Der Jüngste Tag ist dann nicht ein düsteres Weltgericht. Es ist der Tag, an dem wir uns im Angesicht Christi als Brüder und Schwestern erkennen. An diesem Tag wird Jesus sagen: Ich lebe, und ihr sollt auch leben. Und der Friede Gottes, der uns stärkt, dem Leben aufrecht entgegen zu gehen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Ihr Pfarrer
Christian Bernath.

16.11.2020
Gottesdienst aus Riedenburg

Online-Gottesdienst aus der Christuskirche Riedenburg

zum Sonntag, 30. August 2020.

Zum Gottesdienst aus Riedenburg:
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