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Gottesdienst aus Riedenburg

Online-Gottesdienst aus der Christuskirche Riedenburg

zum Sonntag, 7. März 2020 -Okuli-.

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Sonntag Kantate – Christuskirche Riedenburg
Predigt von Pfarrer Christian Bernath am 2. Mai 2021.

Christian Bernath
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Liebe Gemeinde in Christo!

Wie ist das bei Ihnen: Singen Sie gerne und oft? Zuhause, in der Badewanne, oder wo sonst?

Doch schon, liebe Gemeinde: Ich singe gerne. Obwohl ich es nicht wirklich gut kann. Aber singen tut gut. Verleiht Schwung. Am Morgen, auf dem Weg ins Bad singe ich gerne. Der Hund liegt noch müde im Korb, reckt den Kopf in die Höhe, sieht mich entgeistert an und sinkt mit einem tiefen, gedehnten Seufzer wieder ins Kissen. Was macht Herrchen da am Morgen? Singt. Das ist mir zu viel. Und doch: Ich singe gerne. Zuhause.
In der Öffentlichkeit geht es ja nicht. Singen verboten. Das klingt schon fast wie: Lachen verboten. Sich umarmen verboten. Küssen verboten. Ausdrucksformen von Vitalität und Lebensfreude sind seit einem Jahr im öffentlichen Raum tabu. Und eben auch singen.

Dabei gehört es wohl zu den ganz großen Geheimnissen, dass eigentlich immer und überall gesungen werden kann, in jedem Winkel der Erde. Kinder singen immer noch in der Früh, wenn sie aufstehen und viele beim Spielen. Zuhause wohlgemerkt. In der Schule geht es nicht. Jugendliche würden gerne singen, wenn sie denn feiern dürften. Erwachsene würden auch gerne wieder singen, in Gesangsvereinen, Kantoreien und Chören. Ich denke auch an unseren seit einem Jahr ausgebremsten Projektchor. Künstler vermissen die öffentliche Bühne und Life-Auftritte, sie müssen sich mit Tonstudios begnügen.

Das singen steckt in der Krise. Ob in der Schule, in Kirchen, Sportarenen, ja auch in Gefängnissen und Karaoke-Bars: Singen verboten.
Ist Singen ein Luxus? Ich meine: Nein. Singen ist eine elementare Ausdrucksform des Lebens. Nicht nur die Gesunden und Fröhlichen singen. Auch die Kranken, Bedrückten und Traurigen. Manchmal auch die Verzweifelten. Wenn gar nichts mehr hilft und alles aussichtslos erscheint, dann bleibt vielleicht noch ein Lied…

Singen tröstet und stärkt. Enthebt aus dem Alltag, kann sehr intim sein, eine geistliche Dimension in sich bergen, ganz persönlich erfahrbar oder auch ein Gemeinschaftserlebnis sein.
Gut, wir können, dürfen im Gottesdienst nicht singen, wir tragen Mund-Nasen Schutzmasken. Am liebsten würden sie abnehmen und lossingen, von ganz Herzen, Kantate. Singt! Es geht noch nicht. Es geht seit einem Jahr nicht. Und wenn unsere Lieder hier im Gottesdienst oder zu Hause und wo auch immer verstummen, dann singt, wo wie heute, jemand stellvertretend für uns oder es sind vielleicht die Lieder von Menschen, die vor mir gelebt haben, die ich höre, die in mir klingen, mich stärken und meinem Glauben wieder eine Heimat bereiten.

Der Predigttext für den heutigen Sonntag Kantate ist – wie könnte es anders sein -, auch ein Lied. Es ist viele Jahrhunderte alt. Ein Danklied der „Erlösten“, so steht es dickgedruckt als Überschrift über den Versen aus Jesaja 12. Hören wir dieses Lied, gerichtet an die im Babylonischen Exil lebenden Israeliten:
„Ich danke dir, Gott, dass du mich tröstest. Siehe, Gott ist mein Heil. Ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott, der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen und ihr werdet sagen zu der Zeit: Danket dem HERRN, ruft an seinen Namen! Macht kund unter den Völkern sein Tun, verkündigt, wie sein Name so hoch ist! Lobsingt dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen. Solches sei kund in allen Landen! Jauchze und rühme du Tochter Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir!"
Ein Danklied mit viel Tiefgang. Ein Lied der Freude aber kein fröhliches Liedchen, das bei der Hausarbeit geträllert wird. Wenn es das gewesen wäre, dann wären diese Verse nur Durchschnitt und längst vergessen worden. Aber sie bewegen auch heute noch, weil es ein tiefes Lied ist.
Ein Lied mit einer Vision vom glücklichen, befreiten Leben. Ein Lied, das gegen die Wirklichkeit, die Lebensmöglichkeiten einschränkt und für viele grau und freudlos ist, protestiert. Es ist ein Lied, das eine Freude besingt, die durch Schmerz und Verlusterfahrungen hindurchgegangen ist. Und weil diese Freude erkämpft, ertrotzt ist, deshalb hat sie eine solche Kraft, die uns noch nach 2500 Jahren packen kann.

Ja, eine wunderbare Kraft liegt in den Liedern, in denen sich die Erfahrung von Menschen mit Gott weitertragen. Jesaja erzählt in seinem Lied davon. Die ganze Bibel erzählt davon. Sie erzählt von Mirjams Lobgesang für die Errettung aus dem Schilfmeer, sie erzählt von David, der gegen den gefährlichen Trübsinn des Königs Saul sein Lied singt und von den Menschen an den Strömen Babylons, die in Vertrauenspsalmen Gott um Wegbegleitung bitten und ihn für seine Schöpfung danken. Im Singen verbindet sich Freude und Dank. Anfechtung und Verzweiflung. Glauben und Hoffen. Menschen werden im Singen befreit. Ich kann mir gut vorstellen, dass viele von Ihnen einmal oder öfters die Erfahrung gemacht haben und von Herzen sagen: „Ja, das Singen hat mir gutgetan, weitergeholfen! Die Geschichte der christlichen Kirche und vieler Einzelner in ihr ist gefüllt mit solchen Erfahrungen. Denken wir etwa an Franz von Assisi, der, als er krank und halbblind war, seinen Sonnengesang schrieb. Denken wir an den Liederdichter Paul Gerhard. Seine Lieder – die meisten von ihnen entstanden in der furchtbaren Zeit des 30jährigen Krieges, in der auch noch Epidemien, Dürre und Hungersnot herrschten. Und eben seine Lieder sind Ausdruck von Glaubenskraft und Zuversicht, trotz aller Verlusterfahrungen, die er im eigenen Leben hinnehmen musste. Denken wir an Dietrich Bonhoeffer, der die Bodenständigkeit der Lieder Paul Gerhards liebte und sie auswendig lernte und betete. Vergegenwärtigen wir uns die Black Power Bewegung, den Gesang der Schwarzen Amerikas mit ihrem Vorbild Martin Luther King und ihren Ruf nach Gleichberechtigung von Schwarz und Weiß. Im Singen kommt die Lebensgeschichte der Menschen, kommt unsere Lebensgeschichte zum Klingen. Unsere Hoffnungen und Visionen. Die zarten, hellen Töne und die verstummten Saiten des Lebens.

Wie klingt unser Lebenslied in der Zeit der ein Jahr lang währenden Coroanvirus Pandemie? WelcheTöne dominierern? Dur oder Moll? Welche Melodie schwingt gesamtgesellschaftlich durch unser Land?

Ich habe Kinder und Jugendliche vor Augen. Sie merken längst: Das Leben um sie herum und auch ihr ganz persönliches Leben hat sich verändert. Es war ja ganz schön, am Anfang der Pandemie nicht mehr in die Schule gehen zu müssen. Und der digitale Unterricht: Mal was ganz Neues! Aber jetzt, wo die meisten Schülerinnen und Schüler seit Mitte Dezember ihre Schule und ihr Klassenzimmer nicht mehr von innen gesehen haben – abgesehen von einer kurzen, nachösterlichen Zwischenhoffnung - stellen sie fest: Mir fehlt vieles! Und vor allem Kontakt.
Hören wir die Lebensmelodie von jungen Menschen:
Mein Leben ist verändert, den Corona das schländert. Schule ist digital, das kostet viel Zeit und ist brutal. Deutsch Mathe, Englisch und noch mehr, still steht jedoch der Verkehr. Draußen ist es sonnig und wir dürfen raus. Aber ohne Freunde, welch Graus! Liebe Grüße, L., 7. Klasse

E. aus der 6. Klasse schreibt: Meine Gedanken zu Corona:
1. Es ist wirklich blöd, da man nur zuhause ist.
2. Man kann seine Freunde wieder nicht sehen.
3. Alle sind genervt.
4. Durch den Mundschutz kriegt man kaum Luft und die Brille beschlägt.
5. Wenn man an Corona Geburtstag hat kann man nicht mit Freunden feiern. Und
6: Die Geschwister sind die reinste Hölle da sie nur nerven.
Eine Corona Lebensmelodie klingt so:
Ich finde digitalen Unterricht gut, es macht Spaß! Weil ich jetzt so viel Zeit habe, höre ich in einer App oft die Bibel an.
Das ist schon bewegend, was da bei 11, 12 jährige im Kopf vor sich geht und sie handschriftlich zum Ausdruck bringen. Einige haben auch Bilder gemalt.

Wie geht es Ihnen in der Mitte des Lebens? (Wenn ich mich so umsehe…) Wie klingt mein Lebenslied in der Mitte des Lebens in Corona-Zeiten? Aus Beobachtungen und Gesprächen bekomme ich mit, dass auf der einen Seite angenehme Basstöne oder zarte, ja, schwebende Klangfarben das Lebensgefühl von Menschen prägt. Manche packen die Krise am Schopf und sich entschleunigen sich. Mehr Zeit für die Familie. Gemeinsame Mahlzeiten. Gespräche. Spaziergänge. Outdoor Unternehmungen. Andere sind nur noch genervt. Noch immer kein normaler Schulbetrieb. Wohin mit den Kindern? Homeoffice und Hausaufgabenbetreuung. Es langt. Wieder andere haben handfeste finanzielle Sorgen. Kurzarbeit. Oder gar keine Arbeit. Die wirtschaftliche Existenz ist gefährdet. Schwere Basstöne und schrille Klänge jagen durch ihren Kopf.
Und die beklemmende Frage: Wann wird es besser, wieder normal?

Wie klingt Ihre Lebensmelodie in dieser außergewöhnlichen Zeit im Ruhestand? Immer noch mit Schutzmasken einkaufen, „Cklick- und Meet“ – auch nicht wirklich schön und einfach. Und die Enkel wieder nicht sehen können, in Zeiten der bundeweiten Corona-Notbremse wieder keine Besuche von den eigenen Kindern, von Bekannten. Die geplante Reise an Pfingsten geplatzt und die im Sommer steht in den Sternen. Und der runde Geburtstag, die Taufe, Trauung, ja, wen kann ich einladen? Wie soll ich, sollen wir feiern?

Welche Tonart ist für Sie in Corona Zeiten tragend? Dur oder Moll, welche Zwischentöne nehmen Sie wahr?
Ist alles nur noch belastend und niederdrückend? Oder sind Sie gelassen, geduldig? Denken an schöne Ereignisse, die Ihnen das Leben bisher geschenkt hat. Auf die sie mit Dankbarkeit zurückblicken. Sie freuen sich über die sanften, weichen Melodien Ihres Lebens und sind zuversichtlich.
Und: Was löst dieses oder jenes Lied aus, dass Sie hören, dass Ihnen vertraut ist, dass Sie als Eingangslied mit Ihrer Schutzmaske nicht wirklich mitsingen konnten, aber ein langer Begleiter ist:
„Ich singe dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust; ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst. Ich weiß, dass du der Brunn`der Gnad/ und ewge Quelle bist, / daraus du allen früh und spat/ viel Heil und Gutes fließt….“
Was sind die Melodien, was sind die Brunnen, aus denen Sie, wir Lebensfreude schöpfen? Von ihnen ist ja auch im dem alten Danklied Jesajas die Rede: „Mit Freuden werde ihr Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen und ihr werdet sagen: Danket dem HERRN, ruft an seinen Namen“
Aus welchen Quellen schöpfe ich für mein Leben? Was gibt mir Kraft und Zuversicht?
Die Freude an den eigenen Kindern, den Enkelkindern, sie bald wieder spielen und lachen zu sehen, Zeit mit ihnen zu verbringen?
Oder ist es mehr der Rückblick auf ganz besondere Ereignisse und Momente in Ihrem Leben? Oder die Vorfreude auf eine verschobene, im nächsten Jahr anstehende Reise? Leben Sie im Hier und Jetzt und vermögen das zu würdigen und anzunehmen, was Ihnen jeder Tag abverlangt und schenkt?
Und: Welche Bedeutung hat mein Glaube, die Kirchengemeinde in meinem Leben? Erfahre ich in ihr Kraft und Hilfe für mein Leben, schenkt sie mir eine fröhliche Lebensmelodie? Nun: Solange es Christen gibt, liebe Gemeinde, haben diese Gemeinschaft gepflegt, miteinander gesungen, gebetet, gefeiert. Und das tun wir heute auch mit diesem Gottesdienst.
Kantate, das heißt: Die Kraft der Lieder und – wenn es wieder geht - des Singens zu erleben. Kantate, das heißt: Seiner Lebensmelodie bewusst zu werden und gemeinsam der Sehnsucht eine Stimme zu geben, dankend, lobend und tröstend.
Singt dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder!
Daran möchte ich festhalten. Stimmen wir darin ein! Nehmen wir die leisen, zarten Töne wahr, die uns das Leben schenkt. Sie sind es, die unserem Leben Tiefe geben, die uns helfen und in die Zukunft weisen.



"Du meine Seele singe, wohlauf und singe schön. Dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, so lang ich leben werd."

Hören wir nun diese Glaubens-Lied von Paul Gerhard und summen wir es in Gedanken mit. Es ist eines der schönsten und bewegendsten Lieder aus unserem evangelischen Liederschatz.
Und der Friede Gottes, der uns in die Arme schließt und unser Leben nach vorne richtet, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Ihr Pfarrer Christian Bernath.

3.5.2021

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Predigt von Pfarrer Christian Bernath am Sonntag, 3. Januar 2021.
Gottesdienst mit Auslegung der Jahreslosung in der Christuskirche Riedenburg

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